Fachwerk,  Haus

Fachwerk sanieren

Fachwerk zu sanieren ist nicht einfach und man kann eine Menge Fehler machen, die oft nur zu einem noch schnellerem Verfall des Hauses führen.

Hier zeige ich Dir, wie man eine Fachwerkfassade mit begrenzten Maßnahmen wieder in Stand setzen kann.

Zur Straßenseite hin war unser Haus immer noch mit einer Fassade aus Teerpappe verkleidet, die dem Betrachter Klinker vorgaukeln sollte. Eine Sanierung des Fachwerks war außerdem dringend notwendig. Vor ein paar Jahren haben wir das Fachwerk auf der Gartenseite schon freigelegt.

Diese Fassade war natürlich in die Jahre gekommen und sah entsprechend runter gekommen aus, zudem schüsseln die Platten im Laufe der Jahre. Das heißt, sie wölben sich an ihren Rändern nach innen.

Hinzu kommt noch, dass es sich bei diesen Platten um DUROC Fassadenplatten nach DIN 4102-B2 handelt. Dabei steht B2 für normal entflammbar. Und diese Platten brennen sehr gut, was dann auch dazu geführt hat, dass man sie heute nicht mehr verwenden darf.

Ein Teil der Platten haben wir abgerissen. Darunter kommt das Fachwerk zum Vorschein.

Da, wo man das Fenster sieht war ursprünglich mal eine Türe, durch die man direkt in den ehemaligen Stall gelangte. Jetzt ist dort unser kleines Arbeitszimmer, dass wir 2018 renovierten.

Hinter der Fassade sieht es natürlich entsprechend wüst aus. Hier hatten etliche Tiere, und nicht nur Insekten, Jahrzehnte lang Zeit, ihr Unwesen zu treiben. Außerdem kann man noch deutlich die letzten Arbeiten sehen, die noch gemacht wurden, bevor das Fachwerk hinter der Fassade verschwand. Wie zum Beispiel das Bepinseln der Balken mit Teer, an den Stellen, die man für besonders gefährdet hielt oder die auch schon geschädigt waren. Etwas Schlimmeres kann man wohl kaum tun. Der Teer versiegelt die Oberfläche der Balken und eingetretenes Wasser kann nicht mehr heraus kommen. So ist eine weitere Schädigung der Balken unvermeidlich.

Es ist unmöglich eine Fachwerkkonstruktion so abzudichten, dass kein Wasser mehr eindringt. Holz bewegt sich und es bilden sich immer irgendwo Risse, durch die Wasser in die Konstruktion eindringt. Solange das Wasser wieder raus kann, ist das auch nicht schlimm.

Nachdem Abkehren der Fassade sieht es auf den ersten Blick gar nicht mehr so schlimm aus.

Fachwerk sanieren. Die Fassade ist teilweise freigelegt.

Fachwerk sanieren

Bei genauerer Betrachtung fallen allerdings eine Reihe von Schäden am Fachwerk auf.

Früher wurden Balken hergestellt, die auch einen Anteil an Splintholz hatten. Dieses Holz ist allerdings relativ weich und fault mit der Zeit weg oder landet auf dem Speiseteller des Holzwurms. Was dann so aussieht.

Fachwerk sanieren. Das Splintholz ist verfault und muss ersetzt werden.

Das schadhafte Splintholz stemme ich aus und ersetzte es mit einem “neuen” Stück Eiche. Alle Außenbalken des Hauses bestehen aus Eiche, deswegen müssen alle neuen Stücke auch aus Eiche sein, die allerdings schon gut abgelagert sein sollte. Die Eiche, die ich verwende ist circa 20 Jahre alt. Sicher wäre noch älteres Holz besser, aber das steht mir nicht zur Verfügung.

Ein Holznagel muss ausgetauscht werden.

Der Holznagel auf dem oberen Bild ist nur noch zur Hälfte vorhanden. Diesen Nagel werde ich ersetzen. Holznägel aus Eiche kann man im Internet beziehen. Zum Beispiel bei diesem großen Onlinehändler aus Übersee, der so ähnlich heißt, wie dieser Strom in Südamerika.

Sehr oft finde ich schadhafte Stellen im Fachwerk, die einfach mit Zementmörtel und ein paar Nägeln ausgebessert wurden. Das geht überhaupt nicht. Den Zementmörtel schlage ich überall heraus und entferne auch die Nägel. Manche Nägel lassen sich übrigens überhaupt nicht entfernen, obwohl laut Theorie alle nach so vielen Jahrzehnten locker sein sollten, schließlich rosten diese Nägel und die Verbindung sollte sich gelockert haben. Aber gerade in der Schwelle habe ich oft nicht den Hauch einer Chance.

Fachwerk sanieren. Schadhafte Stellen der Balken wurden mit Zementmörtel repariert.

Wie Du auf dem Bild oben sehen kannst wurden sogar die Balken mit Zementmörtel “repariert”. Diesen Mörtel entferne ich und ersetzte die schadhaften Stellen mit Eiche.

Zement hat am Fachwerk generell nichts zu suchen. Zement trocknet nur sehr langsam und bleibt lange feucht, so dass auch die Balken unter der Feuchtigkeit leiden. Auch zum Verputzen der Gefache sollte man auf keinen Fall Zementputz verwenden.

Im nächsten Post zeige ich Dir wie es weiter geht. Diese Arbeit ist auch die Ursache dafür, dass ich in letzter Zeit nur selten andere Blogs besuchen konnte.

Wir wünschen Dir noch eine schöne Woche.

Viele liebe Grüße

Loretta und Wolfgang

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29 Comments

  • Sheepy

    Da habt ihr ja noch ein ganzes Stück Arbeit vor euch. Diese “Flickschusterei” kenne ich auch. Es wurde mit dem was man hatte repariert.
    Liebe Inselgrüße
    Kerstin

  • Lillys kleine Gartenwelt

    Was für eine Arbeit! Aber wenn ihr fertig seid, wird es bestimmt wunderschön aussehen. Was für eine Schande, ein so schönes Haus mit so häßlichen Teerplatten zu verkleiden. Aber nun wird euer Fachwerkhaus aus dem Dornröschenschlaf geweckt. Ich bin schon gespannt, wie es fertig aussehen wird.
    Lieber Grüße
    Lilly

  • ELFi

    Servus Loretta und Wolfgang!
    Puh. Das ist etwas, was ich mir nie zutrauen – und vielleicht zumuten – würde. Ich ziehe meinen virtuellen Hut vor deinem Können, es erinnert mich sehr an das meines Papas! Danke, dass ihr den Werdegang beim DvD zeigt und es wird die Zeit der Ruhe kommen, in der dann andere Blogs wieder besucht werden können. Liebe Grüße und weiterhin alles Gute beim Renovieren wünscht
    ELFi

  • méa

    Ach, ihr beiden, da habt ihr ja etwas vor! Himmel… Aber der Himmel, wenn es fertig ist. Solch ein zauberhaft schönes Haus, ich würde vor Stolz platzen. Und dann wird es auch noch mit so viel Liebe und Verstand geheilt. Ich liebe ja solche Posts, und ich freue mich schon so auf Fortsetzung. Bei uns ist es auch episch – doch am Freitag kommen ENDLICH die Gerüste weg! Wir sind völlig aufgeregt. Seit letztem April ging das nun.
    Aber Gott sei Dank habt ihr keinen Schwamm. Der war bei uns ja das große und desaströse Problem.
    Für Probleme von wegen Nägel und Co., ich denke, da helfen mit Auskunft auch diese Herren hier. Das sind Brüder, die nicht nur Fachwerkhäuser retten, ne, die nehmen die auch in Verwahrung, nehmen die MIT, lagern sie ein und versetzen sie bei Bedarf an einen anderen Standort. Nur so eine Idee, das sind ja Idealisten, vielleicht helfen die mit Rat, falls mal etwas nicht so läuft. Auf jeden Fall sehenswert: https://www.youtube.com/watch?v=0mZHd3EuFS0
    Vielleicht gibt das ja weitere Kraft 🙂 Mir hilft sowas immer besser als jeder Kaffee.
    Einen ganz ganz lieben Gruß, weiter geht´s, eure Méa

  • Heike

    Respekt, ihr beiden, dass ihr euch so eine anspruchsvolle Aufgabe zutraut. Aber wenn ich sehe, was ihr schon alles gemacht habt, bin ich sicher, dass das Haus am Ende ganz wundervoll aussehen wird. Auf alle Fälle ist das Fachwerk sehr viel schöner als die alte Verkleidung. Ich wünsche euch viel Erfolg.
    Liebe Grüße
    Heike

  • moni

    Lieber Wolfgang,
    ich habe schon oft gehört, wie schwierig es ist, Fachwerk wirklich fachgerecht zu sanieren.
    Danke, dass Du es uns jetzt “(haut)holznah” miterleben lässt.
    Ich bin gespannt, wie es weiter geht. Allein die Sache mit den Eichennägeln etc., da kann ich nur staunen!
    Lieben Gruß
    moni

  • Traude "Rostrose"

    Das sieht nach enorm viel Arbeit aus, lieber Wolfgang!
    Mein Göttergatte würde schreiend davonrennen, aber du scheinst bei Fachwerk den totalen Überblick zu haben und auch angesichts der teilweise beschädigten oder schlecht behandelten Balken die Ruhe zu bewahren. Hut ab! Es ist schon schlimm, was solchen wunderbaren Fachwerkhäusern im Lauf der Zeit angetan wurde mit Teerpappe, Teer und Zement…
    Jetzt ist es bei euch auf jeden Fall in guten Händen!
    Ganz liebe rostrosige Grüße,
    Traude
    https://rostrose.blogspot.com/2019/07/strandfarben-blogjubilaum-und-ein-paar.html

  • Heidemarie Traut

    Oh jeh, wenn ich mir all diese Details ansehe, dann wird mir fast schlecht…und gleichzeitig bewundere ich Euren Mut.
    Aber man muss ja nur zurück denken, dann wird einem wieder ganz schnell bewusst, was Ihr schon alles geschafft habt.
    Ich kann nur immer wieder voller Hochachtung sagen: Hut ab!!!
    Und wenn es jemand schafft, diese marode Front wieder im Glanz erstrahlen zu lassen, dann Ihr Beiden!!!

    Sollte Euch der Mut einmal kurzfristig verlassen, dann macht die Augen zu, und stellt Euch vor, wie es nach Eurer Sanierung aussehen wird!!! Ich sehe da ein Schmuckstück par excellence vor mir…und genau das müsst Ihr Euch auch vorstellen, dann kommt der Schwung und die Zuversicht wieder…So zumindest geht es mir bei solchen Mammutaufgaben…!

    Ich drücke jedenfalls die Daumen und bin schon ganz gespannt, auf die nächsten Berichte!

    Alles Liebe und viel Schaffenskraft

    Heidi

  • Achim

    Hallo Wolfgang,
    ich bin gerade sprachlos und voller Respekt, was du da leistest. Ich habe die Bilder der Gartenseite angesehen und das ist schon der Hammer und jetzt kommt noch eine Seite. Das Ergebnis ist natürlich atemberaubend schön, wenn man den Garten vorher und nachher ansieht. Du beschreibst das auch alles so super fachmännisch, leider weiß ich ja nicht, was du so von Beruf bist, hast du was mit Holz und Fachwerk zu tun? Für mich klingt es jedenfalls so, dass du dich da zu 100 Prozent auskennst. Da muß man auch mit viel Fachwissen ran gehen glaube ich, um so etwas zu restaurieren. Was deine Vorgängen ja wohl scheinbar nicht hatten.
    e
    Jetzt bin ich aber echt gespannt darauf, wie es weiter geht. Freue mich auf den nächsten Bericht.

    Frohes Schaffen und dass du zwischndrin nicht den Mut verlierst, das wünscht dir der Achim

    • Wolfgang Nießen

      Lieber Achim,
      von Beruf bin ich Elektromaschinenbauer, arbeite aber in der EDV. Das Wissen habe ich mir angelesen. (Als Jugendlicher habe ich in meiner Freizeit allerdings sehr oft am Bau gearbeitet, irgendwie musste ich ja mein Taschengeld aufbessern.) Ich bin mir aber auch bewusst, dass ich nicht alles richtig mache, was einerseits der Tatsache geschuldet ist, dass ich nur begrenzte Reparaturen durchführe, und zum Glück auch kein Balken richtig kaputt ist, und andererseits weiß ich auch sicher nicht alles.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  • Karen Heyer

    Ach Du meine Güte! Den Hinweis auf dieses Mammutprojekt hatte ich gestern bereits bei Twitter gesehen.
    Ich glaube, wenn wir so etwas angefangen hätten, wäre spätestens nach dem Abnehmen der Verkleidung Ende der Fqhnenstange mit langen Gesichtern gewesen. Respekt, was Du Dir zutraust! Ich mag mir gar nicht vorstellen, was solch eine Sanierung durch einen Fachbetrieb kosten würde. Dann doch lieber selber Hand anlegen, auch wenn sich das über einen längeren Zeitraum strecken wird.
    Liebe Grüße und gut Holz sozusagen
    Karen.

  • Tina von Tinaspinkfriday

    Lieber Wolfgang, es ist ein Glück dass Du mit so viel Verstand sanierst. Du zeigst ja wunderbar was man alles falsch machen kann. Es macht Spaß Dich bei Deiner Arbeit zu begleiten und ich bin schon sehr gespannt wie es weitergeht. Ich wünsche dir viel Kraft und Erfolg, ist ja alles keine leichte Arbeit.
    Liebe Grüße Tina

  • Pia

    Chapeau, da staunt der Laie was für eine Arbeit. Da war sicher viel Vorarbeit mit lesen und sich orientieren, dass es schlussendlich so Fachmännisch gemacht wird. Die Stunden die da investiert werden kann man sich gar nicht vorstellen. Euer Haus wird damit aber zu 100% aufgewertet, das muss wahrscheinlich Lohn genug sein.
    L G Pia

  • riitta k

    Oh dear, what a terrible amount of work! Of course it is to be respected that you renovate this historical building. I remember your previous posts where you have shared views of some renovated rooms. This house has a lot of character – but so much work! I admire you that you have taken this enormous job. Wishing you both a pleasant weekend.

  • Tina vom Dorf

    Hallo ihr Beiden,
    was für eine Mammutaufgabe. Ich bewundere den Mut, es selber zu machen. Hut ab!!
    Auf die Fortschritte bin ich schon sehr gespannt.
    Ich wünsche euch eine schöne Zeit. Sie wird wohl sehr arbeitsreich.
    Liebe Grüße
    Tina

  • ninakol.

    Hi. Ich komme aus einer Gegend, in der viel Fachwerk gebaut wurde, teils mit Stein als Fuss, was zB einen Aufbau nach einem Brand erleichterte. Ja, ja, wunderschöne Häuser, aber viel, sehr viel Arbeit, die nie aufhört. Ich kenn es allerdings, dass eignentlich fast ausschließlich Eiche genutzt wurde.
    Toll jedenfalls, dass Ihr Euch da ran gewagt habt und weiterhin viel Spass dabei.
    Liebe Grüsse
    Nina

  • Claudia

    Lieber Wolfgang, liebe Loretta,
    Fachwerk ist ewtas wunderbares, und ich kann mir gut vorstellen, wieviel Arbeit da auf Euch zukommt! aber, es sind Häuser mit Seele, die Geschichten erzählen, da nimmt man doch rigendwie diese Arbeit gern in Kauf! ICh bin sicher, wenn es fertig ist, ist es ein richtig heimeliges Schmuckstück, wo man sich wohl und geborgen fühlt!
    Ich wünsche Euch noch einen schönen Tag und einen guten Start in ein zauberhaftes Wochenende!
    ♥ Allerliebste Grüße, Claudia ♥

  • Astridka

    Ich finde bewundernswert, dass du dich an diese Arbeit herantraust, es ist ja doch etwas anderes als unser über hundert Jahre altes Backsteingemäuer…
    Mein Vater, ursprünglich gelernter Maurer, hat in seiner Pensionärszeit viele Fachwerkgebäude in meinem Heimatdorf restauriert, auch die Lehmgefache, auch mit Lehm verputzt und alte Eichenbalken aus jedem Abrissgebäude abgeholt und gelagert, bis er sie einsetzen konnte. Hier kannst du, falls du Lust hast, einen Teil seiner Arbeit bewundern:

    https://denkmalstiftung-baden-wuerttemberg.de/stiftung/buergerpreis-2017-rettung-der-gruenkerndarren-von-altheim-wallduern/

    Er hat sein Wissen auch in ein nahe gelegenes Freilichtmuseum eingebracht, in dem auch Fachwerkhäuser aus seinem Dorf wieder errichtet worden sind.
    Viel Erfolg weiterhin!
    Astrid

    • Wolfgang Nießen

      Liebe Astrid,
      danke für den Link. Ich habe mir die Seite angesehen. Tolle Arbeit. Ein bisschen Beneide ich Deinen Vater, dass er einer so schönen Arbeit nachgehen konnte.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  • Margit

    So ein altes Haus ist eine Lebensaufgabe! In unserer Gegend gibt es zwar keine Fachwerkhäuser, aber auch hier versuchen viele, alte Häuser zu erhalten. Ich finde das klasse, denn es wird immer noch zu viel abgerissen oder tot saniert!
    Daher, mein größter Respekt für Euren Einsatz!
    Viele Grüße von
    Margit

  • Judika

    Lieber Wolfgang,
    das der Borkenkäfer nur ans Splintholz geht, wusste ich noch nicht. Bei alten Häusern wurde aus Unwissenheit soviel kaputt renoviert, das habe ich in meinem Umfeld schon oft genug gesehen.
    Bin gespannt wie es bei Euch weitergeht.
    viele Grüße Margot

  • Estefania Garosz

    Wie Sie bereits anführen, kann man beim Sanieren eines Fachwerks viele Fehler machen. Dies könnte sich unter Umständen bei laienhafter Arbeit auch Wert-mindernd auswirken. Ich denke, dass für die Arbeiten an anspruchsvollen Fassaden ein Profi zu beauftragen ist.

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