Landleben, der Bus

Das Leben auf dem Land ist nicht immer so einfach. Der ÖPNV ist eines der Übel, mit denen man sich auf dem Land arrangieren muss. ÖPNV ist vielleicht auch etwas zu hochtrabend, denn hier gibt es nur den Bus, und sonst nichts.

Hin und wieder findet man noch Reste einer Eisenbahn, die irgendwann einmal auch hier verkehrte. Alte Bahnhöfe und hier und da ein Denkmal und ein Museum, das ein paar Enthusiasten aufgebaut haben, erinnern noch an diese Mobilität.

Der Bus

Will man kein Auto benutzten bleibt nur der Bus. Und der fährt selten, braucht sehr lange, weil er über jedes Kaff fährt, und ist auch noch teuer. Mit dem Auto brauche ich bis zur Arbeit 25 Minuten. Mit dem Bus, reine Fahrzeit, 90 Minuten. Natürlich muss ich auch noch umsteigen und ein Stück des Weges zu Fuß gehen. Alles zusammen vergehen kaum zwei Stunden und schon bin ich auf der Arbeit. Hin und zurück also rund vier Stunden.

Der Bus fährt in jedes Dorf.

Einkaufen mit dem Bus kommt gleich nach den Katastrophen, die das Potential haben, ganze Landstriche zu verwüsten. Man braucht unendlich viel Zeit, muss seine Einkäufe die ganze Zeit mitschleppen und kommt völlig fertig irgendwann wieder nach Hause. Der Gedanke ans nächste Einkaufen, wird hartnäckig verdrängt. Das ist besser, sonst bildet man irgendwann Phobien aus. Wer einer Arbeit nachgeht, kann nur Samstags einkaufen, nach Feierabend ist einfach nicht genug Zeit. Zwar gibt es auch hier Geschäfte, die bis 22:00 Uhr geöffnet haben, aber dann fährt schon lange kein Bus mehr.

Mit dem Bus zur Schule

Unser Sohn benutzt immer den Bus, um in die Schule zu fahren, die aber in NRW (Nordrheinwestfalen) liegt. Der Bus muss also eine Landesgrenze überfahren, da wir in RP (Rheinlandpfalz) wohnen. Bis jetzt war diese Grenze nie ein Problem.

Morgens müssen wir so früh aufstehen, dass alleine der Gedanke daran Depressionen auslösen kann. Dieser Gefahr muss man sich aber stellen, sonst ist der Bus weg. Um 6:30 Uhr muss er das Haus verlassen, sonst ist der Bus auch weg. Trödeln ist also nicht, und da Kinder das Lernen müssen, gibt es früh morgens schon die ersten Probleme, bis der Lernprozess irgendwann abgeschlossen ist.

Und Nachmittags, wenn die Schule schließt, holen viele Eltern die Kinder entweder direkt an der Schule ab, oder an einer bestimmten Bushaltestelle, damit der Nachwuchs nicht so viel Zeit im Bus verbringen müssen. Unser Sohn ist dann nach der Ganztagsschule gegen 17:30 oder manchmal auch erst um 18:00 Uhr wieder zu Hause, wenn er nicht abgeholt wird.

Bis jetzt mussten die Kinder wenigstens nicht umsteigen, aber das hat man in diesem Jahr, warum auch immer, geändert:

An der Haltstelle Oberwindhagen Bürgerzentrum ist auf der Linie 562 künftig ein Umstieg zur Weiterfahrt von Uckerath nach Asbach und umgekehrt erforderlich.

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Die Busse fahren jetzt anscheinend nur noch bis zur Grenze von NRW RP. Mit dieser Neuregelung wird der Bus als Verkehrsmittel wieder ein Stück unattraktiver. Was kommt danach? Grenzkontrollen?

Kein Mensch fährt hier freiwillig mit dem Bus.

Die Strassen

Viele Strassen zwischen den Dörfern sehen so aus, wie auf dem Bild. Wenn sich zwei PKW entgegen kommen, muss einer schon auf den Randstreifen ausweichen. Dieser Randstreifen ist nicht befestigt. Man muss schon ein wenig aufpassen, dass man an der richtigen Stelle Platz macht. Und man darf auch nicht zu weit ausweichen, sonst landet man im Graben. Dass hier mal ein Bus einem anderen Platz machen soll, kann ich mir kaum vorstellen. So selten, wie der Bus jetzt fährt ist das kein Problem, wenn aber mal viel mehr Busse fahren sollten…

Und dann gibt es auch die Fahrer, die mit ihrem Auto partout nicht in den Dreck wollen, und einfach auf der Strasse bleiben…

Die Strasse zum nächsten Dorf. Hier muss der Bus durch.

Fahrrad?

Gute Idee. Würde ich gerne tun. Wahrscheinlich wäre ich sogar schneller auf der Arbeit als mit dem Bus. Die Strecke geht teilweise bergab und da kann man rollen lassen. Nur den Berg rauf, wenn ich den überhaupt schaffe, dauert wesentlich länger. Außerdem käme ich teilweise völlig durchnässt auf der Arbeit an.

Oder mit dem Fahrrad für eine Familie einkaufen? Das würde nur mit einem Anhänger funktionieren. Mit einem voll gepackten Anhänger den Berg runter? Da braucht man gute Bremsen. Der Anhänger schiebt das Rad. Und auf der anderen Seite muss man den Berg ja auch wieder irgendwie hoch.

Ich fahre sehr gerne mit den Rad und man kann hier auch interessante Dinge entdecken. Aber hier ist es unmöglich, ganz auf das Rad umzusteigen.

Abhilfe

Die Gemeinde hat erkannt, dass der ÖPNV den Namen nicht verdient und versucht, die Situation zu verbessern. So gibt es jetzt einen Bürgerbus Dieser Bus fährt an drei Tagen in der Woche und bringt einen überall hin. Die Fahrer arbeiten ehrenamtlich und der Bus ist kostenlos. Natürlich muss man seine gewünschten Fahrten vorher anmelden und hoffen, dass der Bus nicht schon ausgebucht ist.

Jugend Taxi-Card

Für Jugendliche zwischen 16 und 21 gibt es eine Taxikarte, die es den Jugendlichen erlaubt, für den halben Preis zu fahren. Natürlich kann man nicht nach Lust und Laune rumdüsen, sondern muss sich schon an gewisse Bedingungen halten: Jugend Taxi-Card.

Das sind natürlich gute Angebote, die auch helfen.

Aber die ÖVPN ist hier bei uns keine Alternative und anstatt die Fahrerei mit dem Bus erträglicher zu gestallten, wird es jetzt auch noch unangenehmer, da der Bus ja nur noch bis zur Landesgrenze fährt, da muss man dann in den jeweiligen Bus des anderen Landes umsteigen. Und das in Zeiten, wo überall CO2 gespart werden soll. Eigentlich unglaublich.

Viele liebe Grüße

Loretta und Wolfgang

Loretta Nießen

Loretta: Fotos

Wolfgang Nießen

Wolfgang: Text

Schau doch mal hier rein

26 Comments

  1. Lieber Wolfgang,
    ja, kaputtgespart wurde all das. Da verstehe ich Dich, dass der Bus keine wirklich Alternative ist. Und dann auch noch teuer. Dass zudem so viele kleine Bahnhöfe stillgelegt wurden, das tut einem in der Seele weh. Alles wurde rund um König Auto erdacht. Vielleicht gibt es ja doch noch ein Umdenken… und dann ist der Öffi auch bei euch eine Alternative.
    Habt ihr die Möglichkeit von Fahrgemeinschaften? Bei jedem Einkauf würdet ihr ja dann ein Auto einsparen… sozusagen 😉
    Ach, wenn sich nur endlich ´was tut, bei uns stinkt´s gewaltig, die Luft wird immer noch schlechter… seufz. Und viele davon sind Spaßfahrer, die nur ihre Luxusprotzkarren Gassi fahren wollen. Ganze Konvoys manchmal. Die Kinder hier in der Kita nebenan, die tun mir so Leid, die atmen den Dreck der Luxusliner direkt ein. Manchmal möchte ich dann schon was schmeissen, vor allem, wenn dann noch einer mit laufendem Motor dort in zweiter Reihe parkt, um mit wichtiger Mine auf seinem Handy herumzudrücken…
    Ja, hoffentlich tut sich ´was, und hoffentlich bekommt auch ihr eine ordentliche Anbindung, denn mit ´nem E-Car wäre ja nun auch wirklich keine Lösung geschaffen, wie sie das immer so schön verkaufen wollen.
    Alles Liebe, passt gut auf euch auf, Deine Méa

  2. Das erinnert mich an Zeiten meiner Kindheit in denen nur 3x täglich ein Bus nach Euskirchen fuhr. Da kann man wirklich nur rundum dankbar sein, dass jetzt im 20 Minutentakt ein Bus fährt. Aber mit dem Wocheneinkauf in den Bus…das geht gar nicht, da brächte ich wenigstens noch 8-10 Personen die tragen helfen. Allerdings hat der hohe Takt auch seinen Preis, der im weiten Umkreis wohl einmalig hoch ist, selbst in Köln fährt man mit Bus und Tram billiger.

    Trotzdem solltet ihr euer Landleben genießen…ich würde es niemals gegen die Stadt eintauschen.

    Liebe Grüße
    Arti

  3. Guten Morgen ihr Beiden,
    da sind wir ja Brüder im Geiste. Auch der Monschder und ich wohnen “auf dem Land”. Zwar LANGE nicht so wie ihr, aber es reicht um sich mit ähnlichen Problemen rumschlagen zu dürfen wir ihr. Überall wird von Nachhaltigkeit und dem Verzicht auf den eigenen PKW gesprochen: Schon mal das Gesicht eines Busfahrers gesehen, wenn man mit zwei Getränkekästen einsteigen und mitfahren will? Davon abgesehen, dass die nächste Bushaltestelle ca. 15 Minuten zu Fuß entfernt ist und der Bus nur ca. alle anderthalb Stunden fährt. Für eine S-Bahn Anbindung sind wir viel zu klein, absolut zu unwichtig und überhaupt.
    Einen Bürgerbus haben wir auch seit ca. 3 Monaten. Die erste Fahrt ist morgens gg halb zehn….. Und mit dem Fahrrad zur Arbeit? Ginge. Zumindest bei mir. Noch bis April. Dann wird die Strecke komplett geschlossen. Für alle Verkehrsteilnehmer. Die Bahn baut an S21… Und als Empfangsmitarbeiterin morgens die Schweißflecken auf der Bluse -na, ich weiß nicht…
    Ich bin mir bewusst, dass jeder Verkehrsmittel-Anbieter Geld verdienen will und dass die Gleichung lautet: mehr Teilnehmer = mehr Geld = mehr Angebot. Aber dass man die ländlichen Gegenden so ganz abhängt ist auch nicht in Ordnung.
    Ach ja – motzen nützt nichts. Man muss es mit Humor nehmen und sich einfach ein geländegängiges Auto kaufen. Dann wird das schon *lach*.
    Liebe Grüße und eine schöne Woche,
    Krümel

  4. Ja, so ist es hier auch. Außer dem Schulbus fährt hier nichts und ohne Auto ist man aufgeschmissen. Da die Straßen auch nicht mehr im besten Zustand sind, wäre ein Geländewagen die beste Wahl. Mein Sohn lebt in der Stadt und braucht kein Auto. Wenn er uns besuchen will, müssen wir fahren und ihn am Bahnhof abholen.
    Liebe Grüße
    Heike

  5. Liebe Loretta, lieber Wolfgang,
    das ist ja mal ein Bericht, voll aus dem Leben gegriffen.
    Für die Großstädter gibt es so etwas heute nicht mehr. Das wird einfach weg gelächelt, gell.
    Du solltest das wirklich per Leserbrief oder so mal veröffentlichen….
    liebe Dienstagsgrüße
    moni

  6. Lieber Wolfgang, ich verstehe deinen Ärger vollkommen.Als überzeugter Deutschlandurlauber habe ich dieses Problem schon an einigen Urlaubsorten kennengelernt. Ich stehe im Urlaub ungern um 6:00 auf um den Bus um 7:30 zu bekommen. Also nutzen auch wir das Auto für unsere Ausflüge.
    Liebe Grüße!

  7. oh jaa..
    voll aus dem Leben gegriffen
    selbst hier gibt es Probleme
    owohl wir 2 Busabieter (Stadt und Bahn ) haben und die Bahn in greifbarer Nähe
    aber gerade wurde der Fahrplan umgestaltet
    er sollte besser anbinden..
    ok.. er fährt jetzt auch weitere Ortsteile an
    aber ich habe jetzt schon von etlichen Leuten gehört
    dass er z.B. erst am Bahnhof ist wenn der Anschlusszug schon weg ist
    und abends auch nicht mehr so fährt wie bisher
    Leute vom Altenheim (Haltestelle vor der Tür) beschweren sich dass sie nicht mehr in die Stadt kommen
    da wurde wohl auch gestrichen..
    ok.. der Busbetrieb für die Stadt macht jedes Jahr über 1 Million miese
    aber so gehts ja auch nicht ..

    liebe Grüße
    Rosi

  8. Lieber Wolfgang, machmal ist es nicht zu begreifen. Auch bei uns, aber nicht auf dem Land sondern Stadt, ist es ähnlich. Die Planer planen alles sehr seltsam. Klar sie sind wahrscheinlich die Strecken nie gefahren. Bei Sarah ist es genaus. Mindestens 90 Minuten mit Laufen und umsteigen für 25 Minuten Autofahrt von Mannheim nach Heidelberg. Selbst wenn man in den angrenzenden Stadteil möchte muss man, im Gegensatz zu früher, jetzt umsteigen. Da wurde mal wieder umstrukturiert. Und rate mal welcher Bus grade weg ist und man 20 Minuten warten muss, wenn man mit dem anderen Bus ankommt 🙁
    Also hier Auto in 5 Minuten gegen Bus 35-40 Minuten.
    Liebe Grüße Tina

  9. Hallo liebe Loretta, lieber Wolfgang,
    Ihr hättet mich jetzt mal sehen sollen wie ich Euren Beitrag gelesen habe…. ständig schmunzelt und ständig nickend 😁
    Ich lebe auch auf dem Land mit ca. 350 Einwohner. Bei uns fährt nur zweimal am Tag der Bus… das ist der Schulbus und in den Ferien fährt gar kein Bus.
    Mit dem Rad fahren kann man nur wenn man gut trainiert ist. Wir leben zwar auf dem flachen Land, aber so flach ist es bei uns nun doch nicht.
    Und sehr kurvenreich ist unsere Gegend auch, genau wie auf Deinem Bild *g* Wenn man einen Trecker vor sich hat und der Bauer stur ist und nicht zur Seite fährt, kann es schon mal passieren das man ca. 3 km langsam hinter ihm her fahren muss bis man überholen kann.
    Wir haben auch seit ca. einem Jahr einen Bürgerbus.
    Wenn man aufs Land zieht sollte man sich vorher überlegen wie man zur Arbeit kommt. Hier hat jede Familie zwei Autos, denn ohne ist man aufgeschmissen.
    Als ich noch in Hamburg gearbeitet hatte musste ich ca. 60 km fahren und zuletzt bis nach Lübeck ca. 35 km. Bei normalem Verkehr brauchte ich bis HH ca. 45 min und bis HL ca. 30 min. Ich hab einmal bei leichten Schneefall nach HL ca. 2 Stunden gebraucht… das hat ganz schön geschlaucht.
    Aber trotz allem möchte ich nie und nimmer mit der Großstadt tauschen… ich lebe gern auf dem Land.

    Das mit der Jugend-Taxi-Card finde ich eine super Idee.

    Liebe Grüße
    Biggi

    1. Liebe Biggi,
      ich lebe auch gerne auf dem Land, auch wenn hier der ÖPNV nicht so gut funktioniert, dafür hat man aber andere Vorteile, z.B. die frische Luft oder die Ruhe.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  10. Susanne aus Wien hatte ja mal eine Linkparty Stadt-Land ausgelobt, die dann mangels Teilnehmern eingeschlafen ist, da hätte so ein Post gut rein gepasst. Die Kehrseite hat man in der Stadt, zwar recht gut versorgt mit Öffis und Einkaufsmöglichkeiten in der Nähe, aber feinstaubbelastet bis zum Geht-Nicht-Mehr. Nur nach bald sechzig Jahren in der Großstadt mag ich aber auch nicht mehr wechseln.
    Meine Eltern haben das gemacht, und zu ihrem Lebensende war es nur noch grausam. Der Vater ist auch noch viel zu lange mit einem Auto, das zuletzt immer knapp durch den TÜV kam, zum Einkaufen gefahren, eine Strecke, die von mautflüchtenden LKWs benutzt wurde, kurvenreich und unübersichtlich. Kein Arztbesuch, ohne dass man jemandem als Chauffeur anheuern musste.
    Das haben wir alle einer Wachstumspolitik zu verdanken, die immer nur ums Goldene Kalb “Auto” getanzt ist, und alles darauf abgestimmt hat, als hätte es die Ölkrise in den 1970ern nie gegeben. Und jetzt ist das System an allen Ecken und Enden marode…
    Ich hoffe für euch, dass da mal nicht nur der Bürokratiusbund die Schwarze Null herrscht.
    LG
    Astrid

  11. Guten Morgen,
    gestern morgen hatte ich schon was geschrieben, aber da ging leider die Kommentarfunktion nicht.
    Soviel mag ich heute nun nicht mehr schreiben.

    Du hast dir mit deinem Bericht schon auch Luft gemacht. Ich weiß ja nicht, wie groß das Dorf ist, in dem du wohnst.
    Unsere Frau Klöckner war ja so begeistert von den Landkindern usw. usw., die durften auch neulich zu Wort kommen und
    hier kam dann auch die Sprache auf den ÖPNV. Da sieht es genauso aus, wie bei Euch.

    Ich habe einen Kollegen, der wohnt im Schwarzwald auf der Baar, der hat es zum Bodensee näher, als nach Stuttgart, aber
    das Haus war günstig und ist auch wunderbar. Aber – nicht böse sein – er hat gewußt, was tat.
    Er wußte, dass die Verkehrsanbindung schlecht ist, dass die Kinder nach Oberndorf auf das Gynasium müssen usw. usw. und auch lange auf den Bus warten müssen.
    So ist er dann bei Eis und Schnee mit dem Auto nach Oberdorf gefahren und von dort mit dem IC nach Stuttgart. Er war 4 – 5 Stunden am Tag unterwegs.
    Er mußte morgens um 5.00 Uhr dem Haus, um um 7.00 Uhr in Stuttgart im Büro zu sein. Das hat er immerhin 25 Jahre durchgezogen.
    Das ist natürlich kein Trost für dich und auch sehr schwer.
    Mit dem Fahrrad zu fahren, wäre ja im Sommer ein Möglichkeit, es gibt ja nun Pedelecs. Da gibt es sogar auch Zuschüsse dafür, müßte man sich mal erkundigen.
    Ich bin nur froh, dass wir hier so auf dem “Halbland” wohnen. Mit einer sehr guten Verkehrsanbindung und seit neuestem fährt auch hier von oben sogar sonntags, – alle Stunde ein Bus zum ca. 1 Kilometer entfernten Bahnhof. Viele Leute nutzen den Weg aber auch, um morgens schon einen kleinen Weg zum machen um frische Lust zu genießen.
    Wir haben hier gottseidank S-Bahnanschluß nach Stuttgart bzw. Ludwigsburg. Die fährt alle 10 Minuten zur Hauptverkehrszeit und später dann im 20 Minuten Takt.
    Es war für uns aber, als wir uns hier eine Wohnung gekauft haben, auch wichtig, trotz des Landlebens eine gute Infrastruktur zu haben.
    Was sich auch schon damals auf den Preis der Immobilie ausgewirkt hat.

    Für mich wäre es nie in Frage gekommen, z.B. in Cleversulzbach ein Haus zu kaufen, obwohl selbst hier inzwischen die Verkehrsanbindung nach Heilbronn mit dem Bus nicht schlecht ist.
    Es dauert eben und das ist nun mal so, wenn man mit den Öffentlichen fährt, weil die anderen Leute in den Ortschaften auch mitfahren wollen.
    Der Griff zum Auto bleibt wohl, was ist aber, wenn das aus irgendwelchen Gründen nicht mehr geht?
    Landleben ist sicherlich schön, aber schön ist auch eine gute Verkehrsanbindung.
    Neulich habe ich sogar auch festgestellt, dass man von hier mit dem Zug nach Heilbronn und dann weiter mit der S-Bahn an die Weitertreu nach Weinsberg kommt.
    Ganz ohne Auto , das dauert natürlich man ist ca. 2 Stunden unterwegs und zahlt hin- und zurück so 20 Euro.

    Lieben Gruß Eva, ich wünsche dir, dass sich das alles bessert.

    1. Liebe Eva,
      in Germscheid leben, geschätzt, circa 200 Menschen. Das ist nicht viel und eine bessere Anbindung rechnet sich wohl nicht.
      An Pedelecs habe ich nicht gedacht, aber sie wären auch nur für Tage mit schönem Wetter eine Alternative. Ich kann mir nicht vorstellen, bei jedem Wetter mit einem Zweirad zur Arbeit zu fahren.
      Was mich immer so aufregt, sind die Ideen der Politik, die durchaus gut sind, die aber andererseits nicht unbedingt zur Lebenswirklichkeit signifikanter Teile der Bevölkerung passen. Was in der Stadt wunderbar, oder nur mit kleinen Einschränkungen funktioniert, kann auf dem Land eine echte Herausforderung sein.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  12. Na, mal sehen ob es heute dann klappt 😉 So wie ich sehen kann scheint es wieder zu funktioneren. somit per c+p:

    Das finde ich sehr traurig. Schon allein die Beförderung von Schülern sollte gesichert sein, zu humanen Zeiten für die Schüler und auch so müsste es gerade in heutiger Zeit belohnt werden wenn die Menschen auf die öffentlichen Verkehrsmittel zurückgreifen. Da fragt man sich wirklich was in den Köpfen vorgeht wenn es den Landmenschen immer schwerer gemacht wird.

    Könnt sie gerne mal nach hier schicken 😉 Da klappt es hervorragend, die Busse fahren bis in die Abendstunden regelmässig und es gibt sogar Buslinien die einen mit nur wenigen Stopps z.B. zur Uniklinik oder Universität bringen. Zudem alles super über das Internet einsehbar, auch die Zeit wann der Bus ankommt, man kann anklicken wenn man an Station X einsteigen möchte usw. Zudem immer Rabatte, gerade auch für Schüler oder Rentner. Selbst für Touristen ist es eine tolle Alternative mit der Titsa die Insel zu erkunden.

    Liebe Grüsse

    N☼va

    1. Liebe Nova,
      das hört sich gut an. Mit solch einer Anbindung könnte ich auch gut leben.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  13. Genau deswegen wohnen wir immer in Gemeinden, in denen es einen Bahnhof und einen Supermarkt gibt. Wir hatten noch nie ein Auto und kennen die Freuden des ÖPNV daher zur Genüge.
    Die Folge ist natürlich, das man als Autoverzichter *immer* so wohnt, dass alle motorisierten Verkehrsteilnehmer einem direkt vor der Nase vorbeibrummen. Unsere jetzige Wohnung liegt an der Bundesstraße. Idylle pur!

    Leider sind unsere lieben Regierungen ja nicht in der Lage, auf Landflucht und den überquellende Städte irgendwie angemessen zu reagieren. Hier sterben gerade in erschreckender Geschwindigkeit Dorfläden und Gastwirtschaften aus, womit man sich noch weniger versorgen kann auf dem Land. Gegenmaßnahmen: keine.
    Vor ein paar Jahrzehnten sah das noch ganz anders aus, da gab es mehr Eisenbahnen und dazu in jedem größeren Dorf reichlich Handwerksbetriebe, Bäcker, Metzger, Schuster, Tischler, Schneider, und Grundschulen natürlich… alles weg. Dafür jetzt öfter Tattoostudios und Friseure. Toll.

    Ich fahre mit Bus und Bahn zur Arbeit. Den Rest (Einkaufen etc.) mache ich zu Fuß und mit dem Rad. Solange keine Schnee oder Eis liegt, ist das schon eine gute Variante für mich. Gerade im Schwarzwald bleibt man so auch fit…
    Wenn die Berge zu anstrengend sind, gibt es jetzt ja auch E-Bikes! 🙂

    LG
    Centi

    1. Liebe Centi,
      so ganz ohne Auto finde ich toll. Meinen Respekt. Wenn es diese ganzen kleinen Geschäfte auf den Dörfern noch gäbe, wäre so manches einfacher. Ich weiß, dass es hier auch mal einen Bäcker im Dorf gab, aber der hat schon vor über 20 Jahren geschlossen.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  14. MOIN – ich lese euren Blog immer gerne, gerade, da er auch immer wieder wichtige Themen aufgreift. Wir leben im sog. Speckgürtel von HH und kennen auch das Problem mit den Öffis. Im Dorf gibt es drei Haltestellen für den Schulbus, der natürlich nur zu den Schulzeiten fährt, am Wochenende und in den Ferien nie, in 20 min Fußmarschentfernung, wenn man noch einigermaßen im Training ist, fährt eine Buslinie Richtung Bahnanbindung nach HH – zu den Hauptpendelzeiten morgens – ansonsten mittlerweile immerhin ca. alle 1 1/2 Stunden, wie die Leute von der Arbeit wieder nach Hause kommen ?????? muss man sich eben anpassen, das man den passenden Zug für einen der Busse erwischt und der dann auch noch halbwegs pünktlich ist, weil, der Bus wartet natürlich nicht auf verspätete Züge. Schülerbeförderung hier im Landkreis klappt allerdings sehr gut, und seit wir seit einigen Jahren beim VV “eingemeindet” sind, dürfen auch Normalsterbliche den Schulbus nutzen – einkaufstechnisch für Viele eine wirkliche Verbesserung . . . . solange man nicht zu den Hauptunterrichtszeiten unterwegs ist. Deshalb haben hier auch alle Menschen, die im Berufsleben stehen, zwei Autos, die sie dann tagsüber ins Parkhaus stellen. Mittlerweile stehen hier sogar 3 Autos rum, da das “Kind” auch irgendwie zum Bahnhof und in die Uni muss. Anfangs haben wir es probiert, aber zwei Vollzeitmenschen und einen Studi logistisch selbst mit 2 Austos zu koordinieren übersteigt die Möglichkeiten jeder Exeltabelle. DA sollte sich die blonde Frau Klöckner mal hinterklemmen, wenn sie die jungen Menschen auf dem Land halten will. Die jungen Leute leben überwiegend sehr gerne hier, sie schätzen die Gemeinschaft, die Nachbarschaften und die Natur aber es nervt sie, für alles entweder ewig fahren zu müssen oder jedesmal einen Masterplan entwerfen zu müssen, wer fährt oder wann man evtl. die Chance auf eine Hin- UND eine Rückfahrt hat. Freitags und samstags nachts gibt es hier “Discobusse”, die von den Betreibern organisiert werden und die Jugendlichen für einheitliche 2,50 € sicher hin und wieder zurück bringen. Seitdem ist die Zal der schweren Unfälle amn den Wochenenden fast auf Null gesunken. Aber, wie gesagt, hier müssen nicht nur wir, hier muss sich vor allem die Politik vom Götzen Auto verabschieden. Nicht mehr, sondern weniger, und vor allem nicht noch breitere Straßen um diesen PS- und SUV- Wahnsinn auf natürliche Weise einzudämmen. Vielen Dank für euren Beitrag. LG Ursula

    1. Liebe Ursula,
      Discobusse finde ich eine tolle Idee, und der Preis ist auch sehr moderat. Mein Nachbar hat schon einmal für seinen Sohn ein Taxi bestellt, da er ihn selbst irgendwann in der Nacht nicht mehr abholen konnte von der Disco. Er hatte selbst getrunken. Der wäre sicher froh gewesen, wenn es bei uns auch einen solchen Bus geben würde.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  15. Lieber Wolfgang,
    es gibt sie aber, die Menschen, die jeden Tag, Winter, wie Sommer, bei Regen und Wind mit dem Pedelec zur Arbeit fahren. Hier gibt es einige, die jeden Tag
    ihre 40 bis 50 Kilometer zu Bosch, Porsche oder Daimler nach Stuttgart oder Schwieberdingen radeln. Das sind aber Menschen, die können am Arbeitsplatz
    duschen, bzw. schlümpfen in ihre Arbeitskleidung. Ich hätte mir nie vorstellen können, mit dem Rad nach Stuttgart zu fahren um dort in meiner Radlerkleidung und verschwitzt meine Kunden beraten zu können. Eine Dusche gab es hier nicht, da hast du schon recht.
    Ein Hoch an Centi, das sie das alles ohne Auto schafft. Daumen hoch!
    Ich habe zwar noch ein Auto, fahre aber das meiste mit dem Rad oder laufe und fahre selbst mit dem Zug in den Urlaub.
    Ein neues Auto werde ich mir wohl nicht mehr kaufen, aber man soll nie nie sagen.
    Liebe Grüße Eva

    1. Liebe Eva,
      eine Dusche haben wir nicht im Büro, und ich kann da nicht völlig verschwitzt den ganzen Tag über sitzen. Da kann ich meinen Kollegen schon nicht antun. Was die Kunden dazu sagen würden, möchte ich lieber nicht wissen.

      Viele liebe Grüße
      Wolfgang

  16. erstmal – grandios geschrieben! solltet ihr genauso an die lokalzeitung schicken!!
    und dann – es ist vollkommen unverständlich, wie in diesen zeiten am ÖPNV gespart wird. SO wird die luft sicher nicht besser – bei diesen bedingungen hat niemand lust aufs auto zu verzichten….
    wobei – hier ist es geradezu luxerös im gegensatz zu euerer gegend: zwar sind die öffis auch reichlich teuer (im GGS zu berlin bspw.), aber die busse fahren noch ziemlich oft und regelmässig – und es gibt noch eine richtige eisenbahn! fernbahnhalt einen ort weiter, S-bahn durchs ganze tal bis meissen, sogar eine “ferkeltaxe” (dieseltriebwagen) bis weit ins tschechische. und nebenstrecken in die lausitz und ins erzgebirge….
    und weil die supermärkte am fluss liegen kann ich ohne grosse steigungen sogar mit dem rad hinfahren – wenn das wetter nicht zu garstig ist und ich nicht einen grosseinkauf erledigen muss.
    seid tapfer! xxxx

  17. Traude "Rostrose"

    Hallo ihr Lieben!
    Auwei, ja, da ist tatsächlich einiges im Argen, vor allem, wenn man bedenkt, dass man aus Klimaschutzgründen heutzutage ja eher auf Öffis umsteigen SOLLTE und viele das auch WOLLEN. Aber nicht zu solch unattraktiven Bedingungen. Ich wohne ja auch in der Provinz und mir waren schon die Bedingungen hier zu unattraktiv, obwohl wir hier immerhin (neben dem Bus) auch eine Bahn haben, die unter der Woche stündlich fährt (wenn es nicht aufgrund von Regen, Schnee, Eis, Sturmschäden etc. zu Verzögerungen kommt…) Etwas ähnliches wie den Bürgerbus haben wir hier auch, allerdings kostet der extra, was ich aber auch verständlich finde. Dreimal die Woche ist irgendwie nur die halbe Miete, finde ich. Unserer fährt täglich oder zumindest an allen Wochentagen, so genau weiß ich das nicht, denn ich habe ihn noch nie genützt, ich wohne sehr nah am Zentrum. Im Ort kann ich gut mit dem Rad einkaufen fahren, Großeinkäufe erledigen wir mit dem Auto (halbelektrisch, also PlugIn-Hybrid, und damit auch nicht unumstritten, aber naja, WAS ist heutzutage schon unumstritten?) Für die entlegeneren Ortsteile ist der Bus jedenfalls eine praktische Sache, weil er Pendler und Schulkinder eben auch zur Bahn oder zur größten Busstation im Ort führt. Aber hier gibt es auch einige Mankos, z.B. dass keine direkte Anbindung an manche nahegelegene Schul- und Arbeitsorte stattfindet – man muss, um dort öffentlich hinzukommen, den Umweg über Wien nehmen! Für soclhe Themen sind übrigens die Fridays for Future gut, denn nei den Protesten geht’s ja auch darum, dass Geld und politische Energie nicht in den weiteren Ausbau von Straßen, sondern eben in den Ausbau von öffentlichem Verkehr und sicheren Radwegen gesteckt wird. (Auf so’ner schmalen Straße würde ich übrigens auch nicht unbedingt radeln wollen, ich glaube, das ist lebensgefährlich…)
    Ganz herzliche rostrosige Grüße nach meiner verlängerten Blogpause!
    Traude

  18. Willkommen im Club! Wir wohnen zwar nur ca. 15 Kilometer vom Bremer Marktplatz entfernt, der ÖPNV hat hier seinen Namen aber auch nicht verdient. Es gibt noch Eisenbahnschienen. Selbst, wenn sie nicht nur vom seltenen Güterverkehr oder der noch selteneren Museumsbahn genützt würden, sie führen einfach in die falsche Richtung, nämlich nicht in die Großstadt Bremen, wo ein Großteil der Bevölkerung tätig ist.
    Der Bus fährt am Sonntag gar nicht. Von Montag bis Freitag hat man jetzt versuchsweise die Abfahrten verdoppelt, der Bus fährt jetzt in der Kernzeit tatsächlich einmal die Stunde. Leider braucht er durch eine ausgiebige Ortsteilrunde ebenso lange, wie ich auf dem Rad nach Bremen. Dann noch umsteigen und weiterfahren, wenig attraktiv. Abends nach 19 Uhr geht hier gar nichts mehr, Taxi heißt das Zauberwort, ca. 45 bis 45 Euro ab Bremen-Mitte. Für die Schulkinder ist immerhin noch ein regelmäßiger Zubringer zu den unterschiedlichen Schulen vorgesehen.
    Und dann wundern sich die Politiker, das niemand auf sein Auto verzichten mag?
    Liebe Grüße
    Karen

  19. Das hört sich wirklich schrecklich an. Das kommt davon, wenn man Jahrzehntelang nur auf den Individualverkehr mit dem eigenen PKW setzt. Autoindustrie sei Dank. Ja, da gäbe es wirklich allerhand zu tun, den Öffentlichen Nahverkehrt wieder auszubauen, nicht nur Busse, sondern auch wieder neue Bahnstrecken aufzubauen. Gemeinschaftsfahrten zu Großeinkäufen etc., Nachbarschaftshilfe… Da ist echt was zu tun.
    In unserem Kreis ist der Nahverkehr mit dem Bus auch schier zusammengebrochen, jetzt muss der Landkreis eingreifen…
    Liebe Grüße
    Andrea

  20. lieber wolfgang, dein beitrag ist mir wirklich aus dem herzen geschrieben. hier ist es nämlich fast genauso schlimm und der ÖPNV wurde in den 25 jahren, seitdem wir auf dem land wohnen eher verschlechtert als verbessert. es ist wirklich ein einziges trauerspiel!! statt z.b. zwei busse einzusetzen, wurden noch mehr dörfer angefahren, sodass sich die fahrzeit von früher 35 minuten auf jetzt 55 minuten verlängert hat. dazu kommt noch dass morgens und mittags die busse von schülern proppenvoll sind und man als älterer mensch oft nicht mal einen sitzplatz bekommt. die busse sind oft alt und schlecht ausgestattet, weil die gemeinden immer das billigste angebot an busbetrieben nehmen müssen. für uns ist das ganze ein grund, uns fürs alter doch eher wieder städtisch zu orientieren, denn ohne auto ist man hier wirklich hoffnungslos verloren (einkaufsmöglichkeiten, ärzte, apotheke, drogerie, kulturangebote etc etc.).
    liebe grüße
    mano

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